Lachs mit Hindernissen

Eigentlich sollte ich jetzt schon im Flieger sitzen, dachte ich mir, als die Lautsprecherdurchsage am Flughafen Mosjön

verkündete, das heute alle weiteren Flüge wegen schlechten Wetters gestrichen sind.

Das ist doch wohl ein schlechter Scherz, nach alldem ,was ich während meines ersten Norwegen- Urlaubes erlebt habe, oder

sollte ich ich vielleicht sagen nicht erlebt habe? Sei`s drum, Willi, bei dem ich die ganze Woche in Norwegen  verbracht hatte,

versuchte mich zu beruhigen und meinte sogar es währe ein Zeichen des Himmels.

Was er damit meinte, konnte ich nicht nachvollziehen, trotzdem fuhren wir zurück zu unserer Hütte.

Dort staunten Margot und Heinz und - die bereits seit 30 Jahren auf Lachs in Norwegen fischen und mit uns diese Woche

am Wasser waren - nicht schlecht. Bei ihrer Frage, ob ich es mir noch mal  überlegt hätte und nun doch hier bleiben wolle,

mußte ich mich jedoch sehr zurückhalten, um nicht meinem Unmut Luft zu machen.

Es regnete in Strömen und ich malte mir schon aus, welch ein Tanz mein Chef wohl wegen meiner verspäteten Rückkehr

aufführen würde.

Momentan konnte ich aber sowieso nichts unternehmen und beschloss deshalb - um mich abzureagieren - noch mal an den

Fluss zu gehen.

Bewaffnet mit einem Sun-Ray-Shadow , den ich von Heinz bekommen hatte, zog ich los und tat das, was ich schon die ganze Woche

erfolglos getan hatte, ich pflügte die reißende Strömung der Vefsna durch.

Der Biss

Anschleppen - Pause - Vorschwung -Ablegen -Driften lassen . Anschleppen -Pause - Vorschwung - Ablegen - Driften lassen....

Der Regen lief mir oben in die Jacke hinein und unten wieder heraus. Die Kälte spürte ich kaum, aber meine Gedanken schweiften

durch die ganze vergangene Woche.

Waren es nur leere Versprechungen? War wirklich der niedrige Wasserstand schuld daran, das ich nichts gefangen hatte?

Willi hatte mir die Fischerei in den schönsten  Farben ausgemalt, die beste Zeit usw., trotzdem hatte ich nichts gefangen.

Ich reiße mich von diesen Gedanken los und transportiere meine Lachschnur wieder durch die regenneblige Luft: Anschleppen -

Pause - Vorschwung - Ablegen -Driften lassen - und plötzlich, ein ruck , ein Zug - und da explodiert auch schon das Wasser.

Ein silbernes Kraftpaket hängt an meiner Tube Fly, mein erster Lachs!

Oh Gott eigentlich sollte ist jetzt fast in München landen, schießt es mir durch den Kopf und jetzt

das . Hektik, Stress, wo ist Willi? > Wiilliiiii<<< höre ich mich schreien und da kommt er schon

 angerannt, wie ein geölter Blitz. Heinz folgt ihm mit seiner Videokamera auf dem Fuss.

> Ich habe es gewusst, ich habe es gewusst! < und er klopft mir auf die Schulter.

Immer wieder jubelt Willi:> ich habe es gewusst < und Freud sich wie ein Kind.

Der Drill

Er merkt nicht , daß mir die Tropfen auf meiner Stirn keine mehr Regentropfen sind

>Das interessiert mich jetzt nicht, sag mir lieber was ich tun muss!< unterbreche ich seine

Euphorie. Der Fisch nimmt Schnur, meine Rolle pfeift und die Rutenspitze senkt und hebt sich

bei jedem Schwanzschlag. Den nassen Korkgriff umklammere ich derart daß meine Fingerknorpel

weiß leuchten. Inder Strömung ist der Lachs kaum zu bremsen, er zieht immer weiter hinunter.

Mein Gott , welche Kraft.

Ich laufe ihm mit durchgebogener Rute am Ufer entlang nach. Willi bleibt mir auf den Fersen

>> Keine Hektik mein Freund, das ist dein erster Lachs, laß Dir Zeit <<

Während des Drills passiert plötzlich mein ganzer Norwegen Urlaub Revue.

Ich erinnere mich wie ich Willi 3 Monate zuvor auf einer Messe in Bayern kennen gelernt habe

und er mich spontan zu sich nach Norwegen einlud.> Du musst dich nur um den Flug kümmern, den

Rest erledige ich schon! < , sagte damals. Ich legte dieser Einladung zunächst Wert bei, denn ich wurde schon oft von Leuten eingeladen, die sich später nicht mehr daran erinnerten.

Nicht so Willi. Er bohrte regelrecht nach und rief mehrmals bei mir an, die Telefonate mussten ihm ein vermögen gekostet haben.....

Ich strauchelte und wäre fast gestolpert, augenblicklich bin ich wieder voll bei der Sache. Der Lachs hängt noch immer sicher  am Haken und zieht und zieht>> Wann hört der mal auf zu ziehen?<< fragte ich mich verzweifelt- und wie auf befehl stoppte er seine Flucht. Ich pumpe ihn heran, 5 oder 10 Meter mögen es gewesen sein, aber bevor ich mich darüber freuen kann, machte der Fisch meine Arbeit wieder zunichte und fetzte erneut los.

Wo kommt denn das viele Wasser her? Bisher sah ich nur halbtrockene Flussbette. Kiesbänke von malerische Schönheit aber leider zu wenig Wasser für einen Lachsaufstieg. Ich erinnere mich daran, wie viele Kilometer wir gefahren sind , auf der suche nach besseren Möglichkeiten. Da war der herrliche Fjord, auf unserem weg Richtung Norden, in dem ich in praller Sonne meine erste Meerforelle kurz drillen durfte- bevor sie sich wieder verabschiedete.

Die Landung

Jetzt bei diesem herrlichen Drill, kann man die Berge und Wälder nicht sehen, weil alles nebelverhangenist. Wo ist die herrliche Landschaft, die mich vom ersten Tag an so fasziniert hat>>Nothing is perfect >> , dachte ich mir, während ich den Lachs wieder einige Meter näher an mich heranbrachte. Allmählich wurde mein Kontrahent müde und zum ersten mal sah ich die Grösse des Fisches und erschrak. Der hat mindestens12 Pfund oder mehr, staunt Willi und fragt mich ob ich ihn selber Landen will. Man hat der Nerven. Ich werde es sicher nicht riskieren, meinen ersten Lachs durch eigene Tollpatschigkeit zu verlieren .>> Mach du das mal lieber du hast da mehr Erfahrung<<,gab ich ihm diplomatisch zu verstehen.

Ein 92 cm langes und etwas über 7kg schweres Kraftpaket, direkt aus dem Meer aufgestiegen, lag vor mir im Gras.

>>Anfängerglück<< hörte ich Heinz kommentieren, Er meinte es zwar nicht abwertend, aber in seiner Stimme klang doch ein wenig Neid mit, denn mein Lachs war bislang der größte der in dieser Saison gefangen wurde. Und sicher war ein wenig Anfängerglück mit dabei, nicht zuletzt aber auch die Tatsache, das ich das all`das befolgte was mir Willi die ganze Woche beizubringen versuchte.

Danke Willi